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| Leichtathletik:
(Freestyle24-Redaktion) |
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"Frauen laufen sich frei"
Wenn es den Begriff Publikumsliebling noch nicht gegeben hätte – er wäre für Uta Pippig erfunden worden. Kaum eine zweite deutsche Langstreckenläuferin schaffte es, die Herzen der Fans derart zu erobern wie die mittlerweile 38 Jahre alte Laufästhetin, die in Leipzig aufwuchs, als Berlinerin in die Weltspitze rannte und seit 11 Jahren in Boulder im US-Bundesstaat Colorado lebt. Für den Eurocity Marathon Messe Frankfurt ist sie nach Deutschland gekommen. Man hat Sie einmal als Model für eine neue Laufsportgeneration der Frauen bezeichnet. Gab es in den neunziger Jahren tatsächlich eine neue weibliche Laufsportgeneration?
Ich glaube, dass sich der Ausdauersport in den neunziger Jahren deutlich verändert hat. Es wurde immer normaler, dass auch eine große Anzahl Frauen sich hohen Ausdauerbelastungen unterziehen. Obwohl das weibliche Geschlecht oft als ausdauernder bezeichnet wird, hatte die Gesellschaft früher dieses Talent stark eingeengt. Ich wollte vor allem zeigen, dass es auch für Frauen kein Problem ist, sich an hohe Ausdauerbelastungen heranzuwagen und dass das Bild von der Läuferin, die sich mit schmerzverzerrtem Gesicht über den Kurs schleppt, abgemagert ist und hässlich aussieht, ein Vorurteil ist. Alles ist eine Frage der Vorbereitung. Zum Glück sind für Millionen von Frauen die Zeiten vorbei, als Schreien höchstens im Kreißsaal erlaubt war. Heute ist das Marathonbild von Frauen geprägt, die mit schicken Klamotten an der Startlinie stehen. Beim Marathon vermischt sich sowieso alles. Verschiedene Typen, Emotionen, Zeiten - aber alle machen irgendwie das Gleiche. Und das finde ich klasse, denn die Frauen laufen sich frei! Ich glaube schon, dass ich für viele Frauen ein Beispiel war. Positive Emotionen bei meinen Läufen zum Ausdruck zu bringen hat andere offenbar begeistert und motiviert.
Wer sind heute die Models?
Ein „Model” hat für mich immer auch Sportart übergreifenden Charakter. Auch wenn ich selbst nicht Volleyball spiele, Schlittschuh laufe, turne, schwimme oder Rad fahre, kann mich eine Athletin dieser Disziplinen begeistern und motivieren. Für den Laufsport fallen mir Namen ein wie Naoko Takahashi, aber auch Derartu Tulu oder Tegla Loroupe, die für die afrikanischen Frauen Vorbildfunktionen haben. Franziska Rochat-Moser aus der Schweiz ist für mich ein Vorbild, natürlich auch Elana Meyer aus Südafrika. Mit Ausnahme von Franziska Moser, die beim Bergklettern leider tödlich verunglückt ist, sind in meinen Augen diese Frauen auch heute noch “Models”. Um große Medienpräsenz zu erreichen, muss man natürlich Spitzenzeiten laufen – und wichtige Rennen gewinnen. Hier sieht es aus deutscher Sicht derzeit leider nicht so gut aus. Aber das muss nichts heißen, denn es gibt die vielen unbekannten ‘Models’. Sie alle tragen dazu bei, andere Frauen zu motivieren und mitzureißen. Und das ist genauso wichtig.
Mit Ihrer Zeit von 2:21:45 Stunden aus dem Jahr 1994 halten Sie immer noch den deutschen Rekord, und derzeit sieht es so aus als ob es immer noch keine schnellere Deutsche gibt. Hat der Langstreckenlauf hierzulande ein Nachwuchsproblem?
Natürlich hat der Spitzen-Langstreckenlauf in Deutschland ein Problem. Allerdings bei den Männern nach dem Rücktritt von Dieter Baumann noch mehr als bei den Frauen. Die absoluten Ausnahmeerscheinungen rollen aber nicht vom Fließband. Aber vielleicht trainiert bereits ein noch unbekanntes Talent in Berlin, Leipzig, Frankfurt oder Hamburg. Vielleicht ein kleines, noch zierliches Mädchen, das große Träume hat, viel Lust am Laufen, außerdem sprintet, spielt und lacht und eines Tages die Marathonläufe in Berlin, Boston und New York gewinnt. Alles ist möglich. Wie gut können Sie von ihrem Wohnort Boulder aus die Laufszene in Europa und Deutschland beobachten?
Bei den heutigen Kommunikationsmöglichkeiten ist das natürlich kein Problem: Ich habe die deutschen Laufmagazine, sehe ins Internet, rede mit Freunden und Journalisten aus Deutschland, und ab und zu bin ich ja in Berlin, oder, wie jetzt, auch in Frankfurt. Haben Sie nicht manchmal Lust, hier wieder mit zu laufen?
An der Lust liegt es nicht. Im August bin ich nach Berlin gefahren, um am Zehn-Kilometer-Lauf auf dem Kurfürstendamm teilzunehmen. Leider hat es mich kurz vorher gesundheitlich erwischt - wahrscheinlich war es Pfeiffersches Drüsenfieber. Nach sechs Monaten gutem Training wird man fast über Nacht völlig schlapp. Das muss man erst mal verdauen. In Zukunft werde ich aber einige Läufe in Deutschland bestreiten. Wie halten Sie sich denn fit?
Ich war den ganzen Winter über in Neuseeland und bin erst im Mai in die USA zurückgekehrt. Nach traumhaften Läufen über 20 und 25 Kilometer in den Bergen und guten Tempoprogrammen hatte ich mir für den Lauf in Berlin einige Hoffnungen gemacht. Aber dann kam’s anders - also auf ein Neues. Obwohl ich in den vergangenen Jahren keinen Marathon bestritten habe, bin ich in vielerlei Hinsicht aktiv. Vorige Woche zum Beispiel, habe ich eine Woche vor dem Boston-Marathon mit einem Kamerateam einen Film gedreht, der unter anderem für den Laufsport motivieren soll. Ich mache Interviews, arbeite gerade an einer völlig neuen, informativen und hoffentlich hübschen Version meiner Webseite www.uta-pippig.com und halte Vorträge zu den Themen Laufen, Motivation, gesunde Lebensweise oder Ernährung. Ich arbeite hier sehr eng mit meinem Trainer Dieter Hogen zusammen. Vom 24. bis 27. Oktober bin ich Gast beim Frankfurt-Marathon, danach reise ich weiter nach Berlin. Stimmt es, dass Sie für den Marathon bei den Olympischen Spielen 2004 trainieren und für die USA starten wollen?
Es stimmt nur teilweise. Ich werde mich nicht auf den Marathon vorbereiten, wahrscheinlicher sind kürzere Strecken, aber das muss ich noch abwarten. Falls ich mich qualifiziere, werde ich in der Tat für die USA starten. Wie sieht denn Ihre berufliche Planung aus?
Mit Hilfe von Freunden und Geschäftspartnern läuft diese Planung bereits seit einiger Zeit parallel. Sobald ich endgültig mit dem Hochleistungssport aufhöre, widme ich mich voll dem Beruf. Ich werde auf jeden Fall im Motivations-Fitness- und Beauty-Bereich bleiben, mit den Medien zusammen arbeiten, und darüber hinaus versuchen, meine Erfahrungen an möglichst viele Läufer weiter zu geben - auch in Deutschland. Sie leben seit 1992 in Boulder, im US-Bundesstaat Colorado. Wann rechnen Sie, auch die amerikanische Staatsbuergerschaft zu bekommen?
Ich denke, Mitte nächsten Jahres. Wie oft kommen Sie heim nach Deutschland?
Das ist sehr unterschiedlich. Mitunter mehrmals im Jahr. Und warum zieht es Sie in diesem Jahr zum Marathon nach Frankfurt?
Von den großen Marathonläufen in Deutschland kenne ich nur Berlin. Ich bin aber schon mal bei einem Firmenlauf in Frankfurt gestartet, und es hat mir hier gut gefallen. Bei meinem Besuch in Deutschland im August hatte ich netten Kontakt mit einigen Organisatoren des Frankfurt Marathons und nehme nun die Gelegenheit war, dabei zu sein. Nicht über die volle Distanz, aber als Teil einer Prominentenstaffel. Außerdem werden mich die Läufer auf der Marathonmesse sehen sowie während eines Trainings- und Ernährungsforums am Tag vor dem Rennen, zu dem ich alle herzlich einlade. Was haben Sie in der Mainmetropole alles vor?
In erster Linie stehen natürlich Promotion-Veranstaltungen auf dem Plan. Ich möchte die Organisatoren so gut wie möglich unterstützen. Außerdem sehe ich alte Freunde, werde mir Zeit für einen Stadtbummel nehmen und besuche bestimmt irgendeine Veranstaltung neben dem Marathon oder gehe in eine Galerie. Mal sehen.
Jeder Stadtmarathon ist in erster Linie ein Breitensportfest. Was können Sie den vielen Hobbyläufern in Frankfurt mit auf den Weg geben?
Für das Rennen selbst und die Tage unmittelbar davor gelten nach wie vor die alten Tipps: Nichts Neues ausprobieren, einschließlich Ernährung, Kleidung und Schuhe, schon am Tag vorher oft kleine Mengen Wasser trinken. Während der Woche gut schlafen, dann fällt die zu erwartende unruhige Nacht vor dem Rennen nicht so ins Gewicht. Sex ist okay. Männer sollten die Brustwarzen abkleben und die Innenseiten der Oberschenkel gut mit Penaten-Creme einsalben. Für die Füße verwende ich persönlich nichts, schneide und feile aber meine Zehenägel drei bis vier Tage davor sehr gründlich. Mein Rat für alle, die mehr wissen wollen: Kommt doch am Samstag vor dem Rennen im Rahmen der Marathonmesse einfach zu meinem Vortrag oder guckt, ob ihr etwas auf meiner Webseite uta-pippig.com findet. Wer Englisch kann, sollte „Two days to go” lesen.
Die größten Erfolge von Uta Pippig: 1990, 1992 und 1995: Siege beim Berlin-Marathon 1994, 1995 und 1996: Siege beim Boston-Marathon 1993: Sieg beim New York Marathon
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Original-Pressemitteilung
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Artikel
vom 22.10.2003, 08:42 Uhr
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